DIE META-BARONE

„Ohrenkino“ als gemeinsame meditative Erfahrung

von Christian Huchthausen | Em Veedel


Wir alle haben unsere ganz eigenen Erinnerungen an die Zeiten, in denen wir – ob als Kind oder auch als Erwachsener – Hörspiele gehört haben. In den 50er Jahren saß man noch mit der Familie vor den Radiogeräten und lauschte gemeinsam, denn Fernseher waren noch nicht so weit verbreitet. (Viele von uns kennen diese Zeit nur aus Erzählungen.)

Ein Hörspiel zu hören, die Augen zu schließen und sich seine eigenen Bilder im Kopf zu machen, in andere Welten eintauchen: All dies wurde am 18.12.2019 zu einem besonderen Erlebnis, als sich unsere Hörerschaft im Kulturcafé „Zettels Traum“ auf dieses Experiment einließen. Etwa 20 Leute waren gekommen um sich unser Werk über die Kriegerkaste der Meta-Barone anzuhören.

Die Story basiert auf einer Comicreihe von Alejandro Jodorowsky und Juan Giménez und der Eintritt war frei. Durch die Anlage, die uns Peter Scholzen zur Verfügung stellte und durch die professionelle Unterstützung beim Mastern des Projektes durch „Soundscape“ entwickelte sich richtiges Kinofeeling und der Raum bebte bei den Raumschlachten und Schwertkämpfen. Für die meisten der Zuhörer war es sicher ein ungewöhnliches Erlebnis in so großer Gesellschaft ein Hörspiel zu hören. Aber diejenigen, die sich auf dieses „Ohrenkino“ einließen und bis zum Schluss blieben, waren voll des Lobes und es wurde noch lange diskutiert und spekuliert, wie die Geschichte der Meta-Barone weitergeht.

Es war ein toller Abend mit einem großartigen Publikum oder besser gesagt: mit einer großartigen Zuhörerschaft. Ein Abend, der sich sehr nostalgisch anfühlte, an dem man sich zurückbesinnen konnte, an die Zeiten in denen man Karl May, TKKG oder Hui Buh das Schlossgespenst hörte. Das Medium Hörspiel hat noch lange nicht ausgedient. Im Gegenteil: Ein Hörspiel in Spielfilmlänge mit vielen Menschen zu erleben, hat etwas ungemein meditatives an sich und in einer immer schnelllebigeren Zeit halte ich diese Form der Veranstaltung auf jeden Fall für wiederholenswert.

Quelle: www.em-veedel.info